Seit vielen Jahrhunderten ist Masowien die Kernprovinz Polens und seit vier Jahrhunderten ist hier der Sitz der Hauptstadt Polens. Mit Masowien sind die wichtigsten Ereignisse aus der Geschichte Polens verbunden.
„Die Geografie von Polen trägt die Schuld an ihrer Geschichte. Geschlossen, wie in einer Falle in der Mitte des Nordeuropäischen Tieflandes, ohne natürliche Grenzen führte sie mit Deutschland und Russland einen ungleichen Überlebenskampf“– schrieb der britische Historiker Norman Davies in seinem Buch „Gottesspielfeld. Geschichte Polens.” Diese Worten beziehen sich insbesondere auf die Geschichte von Masowien.
Die Länder von Masowien gehören zum Territorium Polens seit dem 10. Jahrhundert, seit der Zeit des Fürsten Mieszko I. Dieser Herrscher der Piastenstaates mit der Hauptstadt in Gnesen nahm im Jahr 966 die Taufe an. Polen geriet damals in den Kreis der westeuropäischen Zivilisation und des lateinischen Alphabets. Masowien gehörte damals nicht zu den wichtigsten Provinzen des Landes. Die groβe Politik der Piastendynastie konzentrierte sich zuerst auf Grosspolen und dann aufKleinpolen.
Im Jahre 1526 wurden alle Länder, die zu Masowien gehörten, an das Königreich angeschlossen und befanden sich unter Herrschaft der Jagellonendynastie. Für Polen war es das „goldene Zeitalter“. Im 16. Jahrhundert war es die Zwei-Völker-Republik - die Union von zwei Staaten: Polen und Litauen. Es hat sich damals fûr Europa einmalige Gesellschaftsordnung gebildet, d.h. die Adelsdemokratie, mit einem großen Maβ an Freiheiten für Adelige und mit einem wählbaren Monarchen. Besonders zahlreich war in Polen der Adelsstand (10 Prozent der Bevölkerung) und eine Hochburg des Kleinadels war besonders Masowien. Die Region profitierte an der günstigen Lage auf der Kreuzung der Handelswege, insbesondere am gewinnbringendem Kornhandel.
Dank der zentralen Lage, begann Masowien auch eine Verwaltungsfunktion zu erfüllen. Im 16. Jahrhundert begannen sich in Warschau die Provinziallandtagen: Versammlungen der Adligen. Im Jahr 1596 verlegte König Sigismund III. Vasa den Sitz des Königshofes von Krakau nach Warschau. Im 18. Jahrhundert wohnte in der Hauptstadt schon die Hälfte der Bevölkerung von Masowien.
In Folge der Teilung Polens durch die Nachbarstaaten verschwand Polen im Jahr 1795 von der Karte Europas. Masowien geriet unter die Herrschaft von Preußen und Österreich. Laut dem von Napoleon mit Russland geschlossenen Vertrag aus dem Jahr 1807, wurde aus einem Teil von Masowien das Warschauer Fürstentum gebildet. Im Jahr 1815 wurde das Territorium von Masowien in des Königreich Polen eingegliedert und geriet unter die Herrschaft von Russland. Nach einer Niederlage der aufeinanderfolgenden nationalen Aufstände (1830 – Novemberaufstand und 1863 – Januaraufstand) wurde die Sonderstellung des Königreichs vollkommen aufgehoben. Warschau und das ganze Masowien blieben ein Zufluchtsort des Polentums und ein Ort, wo sich die gegenwärtige polnische Identität herausgebildet hat.
Im Jahr 1918 kehrte Polen, als ein unabhängiger Staat, auf die Karte Europas zurück. Im Jahr 1920 haben die polnischen Truppen in der Schlacht bei Radzymin, die auch als „Wunder an der Weichsel” bezeichnet wird, die in Richtung Westen marschierende sowjetische Armee aufgehalten. Masowien und Warschau entwickelten sich in dieser Zeit dynamisch. In den Jahren 1918 – 1939 stieg die Zahl der Bevölkerung in der Region um 70 Prozent. Besonders schnell entwickelte sich Warschau, eine reizvolle und elegante Stadt. Ähnlich wie in andere Regionen Polens, war die Bevolkerûng Masoviens nicht homogen. Im damaligen Polen gehörte 1/3 der Bürger zu ethnischen Minderheiten.
Am 1. September 1939 wurde Polen vom faschistischen Deutschland angegriffen und am 17. September von der UdSSR. Das von Bomben zerstörte Warschau und Masowien befanden sich unter der deutschen Besatzung. In Warschau gründete man für die jüdische Bevölkerung zuerst ein Ghetto und dann ein Vernichtungslager in Treblinka. Hunderte von Polen sind im Gefängnis Pawiak ums Leben gekommen oder in die deutschen Konzentrationslager verschleppt. Während des Warschauer Aufstands im Jahre 1944 wurde Warschau fast zu Boden vernichtet. Der Maßstab der Kriegszerstörungen war so groβ, dass man überlegte, ob der Wiederaufbau der Hauptstadt Polens überhaupt möglich sein wird.
Nach dem 2. Weltkrieg geriet Polen in Abhängigkeit von der Sowjetunion. In Masowien wurden viele Fabriken, u.a. ein Stahlwerk in Warschau und ein Erdölverarbeitungswerk in P³ock, untergebracht. Die Region verstärkte ihre Position als zentrale Region Polens und behielt gleichzeitig ihren landwirtschaftlichen Charakter und vermied eine massenhafte Industrialisierung.
Im Jahr 1989 waren die Augen der Welt auf Warschau gerichtet. In Folge der durch die „Solidarität“ eingeleiteten friedlichen Revolution begannen die Sitzungen am „Runden Tisch“. Die Folge war für Europa das Ende des kalten Krieges und in den mitteleuropäischen Ländern entstanden nacheinander demokratische Regierungen. Dank den durch den Balcerowicz-Plan eingeleiteten Reformen wurde Polen zu einem Land mit freier Marktwirtschaft. Es wurden Verhandlungen eingeleitet mit der Mitgliedschaft in der Europäischen Union als Ziel. Im Jahr 1999 wurde Polen zum NATO-Mitglied und seitdem ist Polen an der Mitgestaltung des Weltsicherheitssystems beteiligt. Ab 1 Mai 2004 wird Masowien eine nene Region in der EU.
Masowien hat schnell die Chancen, die sich aus den historischen Umgestaltungen ergeben, genutzt und wurde zum Spitzenreiter der politischen und wirtschaftlichen Transformation. Von der Verwaltung her, bleibt Masowien weiterhin die wichtigste Region Polens und ist heute für viele Besucher und Gäste ein Ort ihres ersten Kontaktes mit dem gegenwärtigen Polen.
Das Projekt „Regionen von Polen” wurde in Kooperation mit den Marschalämtern von 16 polnischen Woiwodschaften realisiert.
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